Svalbard-Expedition MS Serenissima

Tag 1

There are faster ways to travel
Few are more memorable

Bullauge mit Aussicht

Am Nachmittag ziehen wir auf der MS Serenissima ein. Das Schiff ist ein klassisches "Arctic cruise ship" mit Geschichte und Charakter. Es ist für 103 Gäste ausgerüstet (wir sind 96), wurde im Jahr 1960 gebaut und über die Jahre immer wieder überholt und renoviert ohne seinen Charme zu verlieren. Das Observationsdeck, die Lounge, das Venice Restaurant  sind für alle da, eine Zweibett-Kabine mit zwei netten Bullaugen nur für uns. Wir werden unseren persönlichen Guides vorgestellt, junge Leute aus ganz Europa, von denen einige sogar einen Großteil ihres Jahresurlaubs opfern, um auf der Serenissima zu arbeiten.

Unsere Reise zu aufgetürmten Gletschern, einsamen Fjorden, zerklüfteten Bergen und Arctic Wildlife beginnt. Das kleine Expeditionsschiff bietet Zugang zu Gebieten, die für größere Schiffe unzugänglich sind. Wir können die Gletscherfronten und Wildtierhabitate aus nächster Nähe betrachten.

Wir verlassen Longyearbyen bei Regen, aber als wir den Isfjord queren klart es auf und die Sonne scheint. Der Isfjord, ein bedeutendes Fjordsystem, ist reich an geologischen Merkmalen und historischen Überresten früher arktischer Erkundungen.

 

Letzter Blick auf Longyearbyen

Borebreen

Am Abend erreichen wir die 4 km weite Gletscherfront den Borebreen.
Etwa 60% der Landfläche Spitzbergens wird von mehr als 2000 Gletschern bedeckt.

Am Abend fahren wir aus dem Isfjord und folgen der Westküste von Prins Karls Forland. In der Nacht werden wir sanft in den Schlaf geschaukelt. Der ereignisreiche Tag lässt uns tief und fest schlafen.

Tag 2

Heute ist der erste volle Tag an Bord der Serenissima. Die Route des Tages führt uns in den Magdalenefjord. Für heute sind zwei Anlandungen geplant. Nach dem Frühstück packen wir uns in mehrere Kleiderschichten, der Wind ist beißend kalt und hin und wieder fällt etwas Schnee. Das Zodiak bringt uns nach Gravneset mit einer alten Walfangstation. Hier wurde im frühen 17. Jahrhundert der Walspeck gekocht, der gewonnene Tran wurde als Brennstoff für Lampen und als Schmiermittel genutzt. Die Waljagd erfolgte in einfachen Ruderbooten, so dass viele Walfänger dabei ihr Leben ließen und hier begraben wurden. 

Anlandung mit dem Zodiak

Immer auf der Hut vor Eisbären

Überreste der Blubberöfen
Hier wurde der Tran gekocht

Ein Spaziergang führte uns etwas die Hügel hinauf und belohnte uns mit schönen Aussichten über den Fjord. Zurück am Strand nutzten einige die Gelegenheit kurz im eisigen arktischen Gewässer zu platschen bevor es zum Schiff zurück ging. 

Am Nachmittag gibt es eine zweite Anlandung zu den Walrossen

Wir erreichen Amsterdamoya Island, wo es noch Überreste der holländischen Walfangstation Smeerenburg  gibt. Heutzutage sind die Bewohner der Insel Walrösser. Auch sie standen auf der "Abschussliste" der Walfänger. Heute kommen nur noch ab und zu Touristen vorbei. Bei etwas Schneefall aber guter Sicht ging es in kleinen Gruppen an Land. Leise näherten wir uns den Tieren und konnten sie in ihrer gewohnten Umgebung beobachten.

Zum Aufwärmen... 

 

...gibt es in der Lounge heißen Tee  oder auch...

...oder Wale

Raudfjorden

Tag 3

Idabreen - Zodiac Cruising

Die Anlandung am Vormittag im Liefdefjord und Texas Bar haben wir geschwänzt, aber die Zodiaktour nach dem Lunch lassen wir uns dann nicht entgehen. Wir konnten dicht an den Gletscher heranfahren und erfuhren viel über Alter und Bewegung der Gletscher. Svalbard erwärmt sich vier Mal schneller als der Rest der Welt, so sind die Gletscher hier extrem auf dem Rückzug.

Kalt, aber großartig

Am Abend erreichen wir den 80. Breitengrad Nord.  Es weht ein eiskalter Wind, als wir den Breitengrad überqueren. Jetzt sind es nur noch 1.111 km bis zum Nordpol und wir gehören zu den wenigen Menschen auf der Welt, die sich an diesem nördlichen Punkt befinden. Am Frontdeck kommen alle zusammen, um auf dieses Ereignis anzustoßen. Wo sonst wird der Sekt immer kälter, je länger er im Glas ist.

Tag 4

Der erste Blick aus meinem Bullauge über dem Bett fällt auf den Blomstrandbreen. Der Wind ist stärker als erwartet. Daher entscheidet sich die Crew nicht wie vorgesehen in Ny-London anzulanden. Die Wellen dort sind mehrere Meter hoch, was dem einen oder anderen sicher das Frühstück vermiesen würde. So geht es stattdessen auf die andere Seite der Insel, die etwas geschützter liegt. Beim Anlanden werden wir von einigen Harbour Seals begrüßt.

Unser Hike führt uns die Hügel hinauf, die von Seevögeln bevölkert sind und deren Hinterlassenschaften sogar etwas Grün wachsen lassen. Wir entdecken einen Polarfuchs, schon in weißem Fell und einige Rentiere. Der Weg zurück führt uns am Strand entlang.

Ny-London

Zurück auf dem Schiff fahren wir wenigstens noch an Ny-London vorbei. Der verlassene Ort erzählt die Geschichte des Engländers Ernest Mansfield, der hier eigentlich Gold finden wollte, dann aber auf ein hohes Marmorvorkommen stieß. Bald erreichte Ausrüstung und Baumaterial Svalbard und die kleine Siedlung Ny-London wurde gegründet. Die erste Schiffsladung mit Marmor wurde gen Süden verschickt. Doch der Marmor zerbröselte in kleine Teile. Es stellte sich heraus, dass der Marmor nur von Permafrost und Eis zusammengehalten wurde. 

Wir fahren tiefer in den Kongsfjorden hinein. Eigentlich ist nach dem Ausflug und Lunch Zeit für einen Powernap in der Kabine. Da ertönt der Lautsprecher: Merle hat einen Eisbären gesichtet. 

78°56'N 11°56'E

Am Nachmittag erreichen wir Ny-Alesund. Hier kann die Serenissima im Hafen festmachen. 

Ny-Alesund ist die nördlichste Ortschaft der Welt. Früher ein Bergbauort ist Ny-Alesund heute ein wichtiges Forschungszentrum für Forscher aus der ganzen Welt, vor allem die Ozonschichten und die Atmosphäre betreffend, aber auch für Geologie, Biologie und Gletscherforschung.

 

Von hier aus startete Roald Amundson 1925  eine Expedition zum Nordpol, die leider erfolglos war. Erst ein Jahr später war er zusammen mit dem Amerikaner Lincoln Elsworth und dem Italiener Umberto Nobile erfolgreich. Mit dem Luftschiff "Norge" flog er über den Nordpol und landete am nächsten Tag in Alaska.

 

 

Hier an diesem Masten war das Luftschiff "Norge" festgemacht.

Das nördlichste Postamt der Welt

 

Am Abend gibt es in der Lounge eine "Farewell Ceremony". Jeder bekommt ein Zertifikat für die Überquerung des 80. Breitengrades. Die tapferen Arktis-Schwimmer wurden als wahre Helden ausgezeichnet.

Kapitän June und seine Crew verabschieden sich:

Bye, bye Serenissima

Die Serenissima macht sich auf den Rückweg nach Longyearbyen. In der Nacht gibt die arktische See noch einmal alles mit hohem Wellengang. Mein Bullauge wird manchmal einfach überspült. Wir haben trotzdem gut geschlafen, aber einige unserer Mitfahrer hatten keine ruhige Nacht, Badezimmer und Reling waren wohl gut besucht.:-)

Tag 5

 

Nach dem Frühstück heißt es dann endgültig Abschied nehmen von der Serenissima. Wir verlassen das Schiff und der Bus bringt uns in den Ort, wo wir in einem Hotel auf den Flughafenshuttle warten können. Hier können wir am Automaten schon unsere Bordkarten und die Baggage-Tags ausdrucken, so dass wir am Flughafen nur noch das Gepäck abgeben müssen. Der Flug ist pünktlich und am Nachmittag sind wir in Oslo.

Zurück in Oslo

Hier gibt es noch einmal Oslo nach Lust und Laune.

Munch Museum

Ende